Heidi,
Heidi,
deine Welt sind die Berge und die Seen die Zwerge und Feen, die Erde, die Pferde, die Herden der Rinder der Himmel, das Gewimmel der Kinder.
Wusstest du eigentlich, dass, deine Gedanken aneinander gereiht locker bis zum Saturn reichen – und zurück?
Heidi, Heidi,
Deine Welt ist das Rot und das Blau und alle schönen und auch die nicht so schönen Töne dazwischen,
das Schlammbraunblau, nur ein Hauch davon und du siehst nichts, also: Luft anhalten und Tauchen, runter.
Moment, das war noch nicht alles, hast du gewusst, dass, wenn man zwischen allen Teilchen im Kosmos das Nichts absaugt, dann bleibt eine Erbse von der Größe einer Melone, hart und schwer ohne Gleichen, das kannst du deinem Herrn Geratewohl gerne mal beipulen.
Heidi, Heidi,
Deine Welt sind die Formen aller Härte- und Weichegrade
wobei die, ja genau die, die gleich eine Delle kriegen wenn klein Gott mal wieder mit seinem Vorderhintern dranschrammt, die anmutigsten sind. Aber er gibt nur den Tollpatsch, weil er es liebt, diese Dellen zu machen, wobei sich diese Verformungen immer wieder von selbst entbeulen, gleichsam wie von Gottesarsch rückwärts. Sagt mal, riecht ihr das auch? Nein, das ist keine Melisse, das kannst du deinem Frisör erzählen, das ist die Edelfäule der privilegierten Karzinome. Ha, in der Kommentarspalte heißt es dann wieder, dieser Text wurde von einer Künstlichen Intelligenz verfasst. Was natürlich Blödsinn ist, diese Texte werden längst von Künstlichen Hüftgelenken verfasst, wobei ihnen die Künstlichen Aromastoffe dicht auf den Fersen sind. Weiter heißt es da, deine Welt sei auch die der Stoffe. Wollene zum Warmhalten, seidene zum Posieren, leinene zum Verhüllen. Du trennst alles aus den Bezugsrahmen fraglicher Bestimmungen, aber ob du die Nähte vorantreibst oder die Nadel dich hinter sich herzieht, kannst du das überhaupt beantworten? Musst du nicht, aber wusstest du, dass wir das alles hier nochmal erleben werden? Das holperige Scheitern unserer dünnen Liebe, etwa in vierzehn Milliarden Jahren, nur rückwärts, nämlich dann, wenn die Gravitation aller seit dem großen Knall auseinanderfliegender Teilchen stärker wird als ihre Fliehkräfte. Und nach weiteren achtunddreißig Milliarden Jahren erleben wir ́s wieder vorwärts und keiner kann sagen, wie lange das schon so geht.
Heidi,
Heidi, deine Welt ist die Tiefe. Die Finsternis, wo niemals Licht hinkommt. Aber das stimmt nicht. Dauernd schleppst du Licht ins Dunkel, Schmetterlinge, Regenbögen, Blumenmeere, Feuerwerke! Aber die Finsternis frisst sofort alles auf, ohne zu schlucken, wie nichts Gutes, als gäbe es kein Morgen. Einmal hast du ihr eine ganze Sonne gebracht, aber so schnell konntest du gar nicht gucken, da war die komplett absorbiert. Die Finsternis ist ein monströser unersättlicher Lichtfresser. Du gibst alles und kriegst nichts.
Heidi,
Heidi, deine Welt sind die Sterne. Sie sind dein Werk, aber wie um Gottes Willen hast du das geschafft? Die Lösung ist so einfach, das darf man gar nicht erzählen, aber wir sind ja hier unter uns: Lichtspritzer vom Pinselausklopfen. Das kann nicht der Anfang von allem gewesen sein, mögt ihr zurecht einwenden. Aber es war der Anfang von der Welt wie wir sie kennen. Heidi Heidi Deine Welt ist der Wald. Mit seinen moosfeuchten Wurzeln. Die von den Kronen beschatteten Farne. Das dampfende Wild. Die krachenden Rinden knarzender Tannen. Der stechende Duft von tropffrischem Harz. Und überall Zapfen! Wenn da nur nicht überall diese sirrenden Handymasten wären! Die machen die Kiebitze irre und die Waldmeisen! Die Drohnen fliegen tief heute Ich habe ein ungutes Gefühl Zieht euch warm an. Ich verstecke mich in einem Ameisenhaufen. Die Tarnung ist perfekt: Wer vermutet einen Weltverbesserer schon in einem Ameisenhaufen! Ich sterbe trotzdem: Die Säure mich und ich werde zu Wald. Oben donnert der Verkehr Unten rauscht die reißende Isar Dazwischen die Helden und -innen mit Bieren, weit hörbaren Sounds und noch weiter strahlenden Visionen. Wir waren die Penner gefühlt 5 Punkt Null und höher. Aber aus uns ist weit mehr geworden, als das, was wir mit nasser Grillkohle in die Mauern unserer Brücke meißelten.
Heidi
Heidi
Deine Welt ist nicht meine Welt. Ich habe noch nie mit deinen Augen gesehen. Noch nie mit deinen Ohren gehört. Noch nie mit deinen Händen gefühlt. Noch nie mit deinem Herzen geliebt. Acht Milliarden Paralellwelten. Oder doch nur eine? Die eine in mir drin? Was weiß denn ich? Meine Welt ist der Mars. Die Immobilienpreise sind unterirdisch günstig hier, aber meine Wabe ist winzig, mehr kriege ich weder beheizt noch belüftet. Das Internet ist ein Witz, aber die Rückreise dauert ewig und ist im Übrigen unbezahlbar.
Heidi
Heidi Deine Welt ist die Wiese grün und bunt, das Summen und Brummen Der Käfer und Bienen Das Rattern ferner Landmaschinen junge Bauern spritzen mit feinen Düsen und fiesen Giften ihre Scholle untertan Ich umarme eine Pusteblume und halte die Luft an. |